Der Kampf gegen Islamischen Staat: Langfristige Gefahren. Symbolische Bomben. Vorschläge.

„Wir müssen etwas tun“. „Wir müssen der Gefahr entschlossen entgegentreten“. „Maßnahmen ergreifen“. Es gibt viele Varianten, die alle auf dasselbe hinauslaufen: Die Politik versucht nur allzu oft Entschlossenheit zu suggerieren, wo keine ist. Einen Plan, wo Ratlosigkeit vorherrscht. Sicherheit, wo Angst dominiert. Das kann im besten Fall ärgerlich sein, im schlimmsten aber hochgefährlich.
Das aktuelle Beispiel betrifft den Kampf gegen den „Islamischen Staat“. Frankreich möchte maßgebliche Bestimmungen der Europäischen Menschenrechtskonvention temporär aussetzen, der Präsident soll mehr Befugnisse bekommen und in Syrien und dem Irak werden Luftangriffe geflogen. „Wir tun was!“ schallt es durch die Medien. Selbst das lange großteils pazifistische Deutschland wird „Solidarität zeigen“, die Beteiligung der Bundeswehr wird ihr größter gegenwärtiger Auslandseinsatz.
Fraglich, ob hier in der ersten Überreaktion nicht Fehler gemacht werden, die sich langfristig rächen werden. Italien wird sich etwa nicht am Kampf gegen den „Islamischen Staat“ beteiligen, weil es an einem Plan, an einer Strategie fehle. Das klingt vielleicht auf den ersten Blick weniger entschlossen, auf den zweiten jedoch vernünftig. In der Tat gibt es wenig Anzeichen für eine wirkliche Strategie, wie man gegen den „Islamischen Staat“ vorgehen will. Was aber auch egal ist. Wir leben in Zeit der Symbolpolitik. Es geht nicht darum, wirklich effektive und wohlweislich überlegte Maßnahmen zu setzen. Entscheidend ist, so zu tun, als würde man etwas tun, als hätte man einen Plan. Das ist innenpolitisch manchmal mühsam (etwa, wenn eine Partei beziehungsweise die Regierung unnötige bis schädliche Vorschläge einbringt und oft auch durchsetzt, damit es ja nicht heißt, sie würde nichts tun).
Symbolische Bomben
Die Bomben gegen den „Islamischen Staat“ sind gefährlich. Für die Zivilbevölkerung und wegen der mittelbaren Auswirkungen auf andere. Es ist ja nicht so, als hätte der „Islamische Staat“ nur klar als solche ausgewiesene und erkennbare militärische Einrichtungen, die sich obendrein fernab der Zivilbevölkerung befinden. Bomben gegen Gebilde wie den „Islamischen Staat“ bedeuten letzten Endes auch Bomben gegen die betroffene Zivilbevölkerung. Das sind dann Bilder und Geschichten, die um die Welt gehen. Selbst wenn man in hiesigen, westlichen Medien wenig davon liest (warum eigentlich?), im muslimischen Raum werden mit Handykameras aufgenommene Fotos und Videos wohl eine entsprechende Verbreitung finden. Was den Hass zusätzlich schürt. Nicht nur bei den unmittelbar betroffenen, sondern auch bei europäischen Muslimen, die um ihre Glaubensbrüder und -schwestern trauern und dem Feind – allen voran die USA, Frankreich und in Hinkunft wohl auch Deutschland, ungeachtet dessen, dass Deutschland selbst keinen direkten Kampfauftrag hat, denn so genau sieht sich das niemand an – Vergeltung schwören könnten. 
Was tun?
Kritik üben ist leicht. Das ist das angenehme für den Beobachter, er kann Vorschläge und Handlungen zerpflücken, irgendwas findet sich immer. Daher auch ein paar Gedanken, was man sonst tun könnte. Reine Gedankenspiele ohne Anspruch auf Erfolgsgarantie. 
Hier scheint der bedeutendste Punkt darin zu liegen, dass der „Islamische Staat“ ja nicht unabhängig von außen operiert. Er verkauft sein Öl und verbucht dadurch enorme Einnahmen. Hier gilt es anzusetzen; wer kauft das Öl; wie wird es transportiert? Wie kann man diesen Geldstrom trockenlegen? Das ist vielleicht medial gut zu verkaufen, aber von eminenter Bedeutung. Das Hauptproblem dabei besteht jedoch darin, dass der „Islamische Staat“ Teil des regionalen Wirtschaftssystems ist, womit selbst seine Feinde von ihm abhängig sind
Teilweise wird er auch durch einzelne Geldgeber aus der Golfregion finanziert; auch hier gilt es anzusetzen. Wobei es zu bedenken gilt, dass deren Beitrag in Summe eher gering zu sein scheint.
Zweitens gibt es Hinweise darauf, dass der „Islamische Staat“ sich zu weiten Teilen durch Enteignungen, hohe Besteuerung und unzählige Strafen für Vergehen aller Art (wenn man drei Mal in Folge nicht zum Gebet erscheint etwa) finanziert. Daher versucht er auch ständig, neue Gebiete und damit neue Ressourcen zu erschließen. Er nährt sich aus den betroffenen. Das ist kurzfristig erfolgreich, langfristig jedoch so nicht durchzuhalten: Irgendwann gibt es bei der Bevölkerung nichts mehr zu holen. Es ist so gesehen gut möglich, dass es weniger darum geht, den „Islamischen Staat“ schnellstmöglich militärisch zu besiegen, als ihn ausbluten zu lassen. Je länger er besteht und umso weniger es ihm gelingt, neue Gebiete zu erobern oder zu halten, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass er an seinen inneren politischen und wirtschaftlichen Widersprüchen von selbst zugrunde geht. Wie man in einem lesenswerten Artikel auf „The Atlantic“ lesen kann, richtet der „Islamische Staat“ seine Vorgehensweise nach religiösen Vorstellungen. Wenn der weitere Verlauf nicht den apokalyptischen Vorhersehungen entspricht, verlieren er und seine Mitglieder jeglichen Anspruch darauf, ein Vehikel für die Erlösung dazurstellen. Der „Islamischen Staat“ schreibt sich selbst eine Rolle im unausweichlichen Gang der Geschichte zu. Daher wartet er auch auf das Eintreffen der feindlichen „Armee von Rom“, was die Apokalypse in Gang setzen würde. Daher wünscht sich der „Islamische Staat“ nicht sehnlicher als die Entsendung von US-Bodentruppen: Es würde das eigene Welt- und Geschichtsbild zusätzlich bestätigen.
In Summe gilt es insofern weniger, den „Islamischen Staat“ selbst zu zerstören – was mit den momentan eingesetzten Mitteln ohnehin nicht wirklich funktioniert beziehungsweise nur zu einem äußerst hohen Preis – als ihn in Schach zu halten. Gut möglich, dass er aufgrund seiner Struktur zum Überleben nicht nur auf die permanente Expansion mitsamt der Ausbeutung der betroffenen Bevölkerung, sondern auch auf eine gewisse Überreaktion seiner Feinde angewiesen ist. Fehlt es an beidem, wird er langfristig  nicht überleben.

Der Krieg gegen den Islamischen Staat: Postheroismus und die Terroristen von morgen

Seit über einem Jahr fliegen zahlreiche Staaten Luftangriffe gegen die im Irak und Syrien gelegenen Stellungen des „Islamischen Staats“. Die bisherigen Erfolge sind relativ bescheiden. Darüber hinaus treffen die Angriffe zahlreiche Unschuldige, womit die Saat für die Terroristen von morgen gestreut werden könnte. Der Einsatz von Bodentruppen wird aufgrund der damit einhergehenden Gefahren für die eigenen Soldaten indes nach wie vor ausgeschlossen. Die langfristigen Auswirkungen sind nicht absehbar.
Das neue Kriegsbild
Der Krieg hat sich in den letzten Jahrzehnten stark gewandelt. Das allen voran durch die Schriften des preußischen Generals und Militärtheoretiker geprägte Bild von staatlichen Massenarmeen, die sich auf einem Schlachtfeld gegenüberstehen, hat keine Gültigkeit mehr. Die Kriege unserer Zeit werden von irregulären, oftmals nicht einmal uniformierten Kombattanten mit einfach zu bedienenden und leicht verfügbaren Waffen – symbolisiert durch die AK-47 – geführt. Sofern sie nicht ausschließlich einander bekämpfen – wie etwa in Somalia – stehen sie staatlichen Armeen mit oftmals veralteten Gerätschaften gegenüber, die ursprünglich für die Konfrontation mit anderen Staaten ausgebildet wurden. Daher geraten Zivilisten unvermeidlich ins Visier – oft werden sie etwa sie als „menschliche Schutzschilder“ missbraucht, um damit die technologische Unterlegenheit wettzumachen. Den staatlichen Streitkräften wiederum fehlt es am know how, oft aber auch am Willen, hier bestmöglich zu unterscheiden. 
Der „Kampf von Mogadischu“
In derartigen Konflikten beschränken sich Interventionen von außen in der Regel auf finanzielle Mittel, Waffenlieferungen und Ausbildungsprogramme, mitunter – zumeist allerdings erst, sobald die Lage einigermaßen beruhigt ist – auch auf Friedenstruppen der Vereinten Nationen. Ein darüber hinausgehendes direktes militärisches Eingreifen ist selten und wenn, dann kommt es meistens zur Vornahme von Luftangriffen. Als historischer Hintergrund dafür gilt allgemein die „Schlacht von Mogadischu“, bei der 18 US-Soldaten im unübersichtlichen Häuserkampf auf den Dächern und in den Straßen der somalischen Hauptstadt ums Leben kamen. Die symbolträchtigen Bilder vom wütenden Mob, der die geschändeten Leichen jubelnd durch die Straßen schleift – die US-Soldaten waren aufgrund vorangegangener Angriffe, die auch zahlreiche unschuldige Opfer gefordert hatten, bei weiten Teilen der Bevölkerung in Ungnade gefallen – gingen um die Welt und erhöhten letztlich den innenpolitischen Druck, die US-Truppen schnellstmöglich wieder abzuziehen. Mogadischu hatte gezeigt, dass die USA zwar nicht militärisch, wohl aber über ihr sensibles Rückgrat – die Zivilbevölkerung – verwundbar sind. 
Luftangriffe als „Risiko-Transfers“
Auch wenn die Erfahrungen aus Mogadischu etwa dazu führten, dass die USA wenige Monate später nicht gewillt waren, vor beziehungsweise während dem Völkermord in Ruanda einzugreifen, führten sie zu keinem strikten Non-Interventionismus. Das Dilemma, einerseits handeln und andererseits keine Verluste in den eigenen Reihen hinnehmen zu wollen, verlagerte Militäroperationen endgültig in den Luftraum. So führten die Kampfhandlungen im Zuge der Luftangriffe gegen Serbien aufgrund des Kosovo-Konflikts zu keinen Verlusten auf Seiten der NATO. Die einzigen offiziellen Opfer resultierten aus nicht mit diesen unmittelbar zusammenhängenden Helikopterabstürzen.
Der Preis dafür war jedoch hoch. Schließlich mussten die NATO-Bomber außerhalb der Reichweite der serbischen Fliegerabwehrsysteme fliegen, mit entsprechenden Folgen für die Präzision der Angriffe. Mit anderen Worten: In gewisser Hinsicht wurden die Leben der NATO-Piloten mit jenen allfälliger unschuldiger Zivilisten gegengerechnet, die Gefahren der Kriegsführung also der Zivilbevölkerung des Feindes aufgebürdet. Der Kriegssoziologe Martin Shaw bezeichnet dieses Vorgehen als Risikotransfer-Militarismus“.

Das Muster der Kosovo-Intervention sollte sich 2011 bei der NATO-Operation in Libyen und nun im Zusammenhang mit den Angriffen auf die Stellungen des „Islamischen Staats“ wiederholen. Doch während al-Gaddafis Armee und andere ihm zugehörige Einrichtungen ein leichtes und klar umrissenes Ziel darstellten, scheinen die Angriffe gegen den „Islamischen Staat“ weniger wirksam zu sein. Forderungen nach Bodentruppen sind allerdings aus den genannten Gründen bislang verhallt, man verlässt sich vor allem auf kurdische Kämpfer, die wiederum Erdogans Türkei ein Dorn im Auge sind und die daher nur begrenzt unterstützt werden können, und die „moderaten Rebellen“ (eine freilich fragwürdige Einstufung). Effektiv ist das nicht, US-Präsident Barack Obama räumte auch bereits ein, dass der Kampf gegen den „Islamischen Staat“ eine Weile andauern werde. Selbst wenn seine in Syrien und im Irak gelegenen Stellungen eines Tages tatsächlich von der Landkarte verschwunden sein dürften, nistet er sich mit jedem zusätzlichen zivilen Opfer der Luftangriffe tiefer in den Köpfen seiner Sympathisanten – die auch in Europa und den USA leben – und der unmittelbar Betroffenen ein. Dementsprechend birgt das momentane Vorgehen auf lange Sicht ein enormes Risiko.

Kampfroboter: Die Zukunft hat schon begonnen

Noch bis 9. November tagt das UN-Generalversammlungskomitee zu Entwaffnung und Internationaler Sicherheit. Bislang haben sich dabei 31 Staaten und fünf Staatengruppen auch dem Thema autonomer Waffensysteme (Kampf- oder Militärroboter, darunter fallen auch Drohnen) gewidmet und die Notwendigkeit weitergehender Debatten, teilweise auch eines multilateralen Vertrags zu diesem Thema, betont. Eine Reihe von Aktivisten und Wissenschaftlern – darunter etwa Stephen Hawking, Elon Musk oder Steve Wozniak – hat bereits im Juli Bedenken zu den unabsehbaren Entwicklungen in diesem Bereich geäußert. Bei der breiteren Öffentlichkeit scheint das Thema indes noch nicht ganz angekommen zu sein. 
 Gefahren und Probleme autonomer Waffensysteme
Will man die Sorgen rund um Kampfroboter verstehen, gilt es zunächst hinsichtlich des Autonomiegrads solcher Waffensysteme allgemein in dreierlei Hinsicht zu unterscheiden: Bezogen auf Militärschläge im Speziellenverbleibt die Letztentscheidung zur Vornahme eines Angriffs bei den ersten beiden Kategorien in menschlicher Hand – der Unterschied besteht darin, ob es eine aktive Bestätigung eines vorgeschlagenen Angriffs braucht oder ob er automatisch ausgeführt wird, sofern es zu keinem Abbruch kommt.
Daraus ergeben sich maßgebliche Probleme. Zum einen führt die Distanz zum Einsatzgebiet zu einer Dehumanisierung der potentiellen Ziele und einer möglicherweise gesteigerten Fahrlässigkeit. Wie das berühmte Wikileaks-Video „Collateral Murder“ gezeigt hat, besteht ist diese Gefahr jedoch auch bei nicht-automatisierten Waffen- und Zielsystemen. Gleichzeitig gilt es allerdings zu bedenken, dass vor Ort präsente Soldaten gerade aufgrund der Unmittelbarkeit der Bedrohung für Leib und Leben umso eher vorschnelle und nachträglich sich als falsch herausstellende Entscheidungen treffen.
Ein weiteres Problem besteht im übermäßigen Vertrauen auf computergenerierte Entscheidungen, als „automation bias“ bekannt. So zeigt etwa der internationale Flugverkehr die menschliche Neigung, sich entweder völlig passiv zu verhalten oder, so eine Entscheidung gefordert ist (also jedenfalls bei semi-autonomen Waffensystemen) „im Zweifel der Maschine“ zu glauben, selbst wenn die eigene Intuition oder Expertise zu einem anderen Urteil kommen. Dabei wird oft nicht bedacht, dass die Zuverlässigkeit computergenerierter Entscheidungen letztlich von der Qualität der verfügbaren beziehungsweise eingegebenen Daten abhängt, wo Fehler freilich nicht ausgeschlossen werden können.
Hinzu kommt der ebenfalls aus der Verhaltenspsychologie bekannte „status quo bias“, also die Präferenz für eine vorgegebene, als status quo definierte Handlungsoption. Bei zweiter Kategorie autonomer Waffensysteme tritt überdies der Unwille, einen laufenden Vorgang aktiv abzubrechen anstatt ihn einfach fortlaufen zu lassen, hinzu.
Die größte Sorge besteht freilich hinsichtlich der dritten Kategorie, die voll-autonomen Waffensysteme. Hier spielt der Mensch keine Rolle beziehungsweise wird er lediglich post factum, also nach ausgeführtem Angriff, informiert. Allgemein gründet sich die Ablehnung derartiger „Killerroboter“ auf den intuitiv unangenehmen Gedanken – Filmreihen wie „Terminator“ oder „Matrix“ haben hier ganze Generationen entsprechend sensibilisiert –, eine Maschine mit künstlicher Intelligenz auf Grundlage der Feststellung, ob jemand als Zivilist oder als Kombattant einzustufen ist, über die Tötung von Menschen entscheiden zu lassen. Aus rechtlicher Sicht korrespondieren damit weithin ungeklärte Fragen der persönlichen (strafrechtlichen) Verantwortung. Schließlich könnten bei der derzeitigen Rechtslage aufgrund des fehlenden menschlichen Einflusses beträchtliche Lücken entstehen, womit letzten Endes niemand für durch derartige Roboter verübte Verstöße gegen die Menschenrechte und humanitäres Völkerrecht zur Verantwortung gezogen werden könnte. Ein Bericht von Human Rights Watch und der Harvard Law School International Human Rights Clinic kommt daher sogar zu dem Schluss, die Entwicklung, Produktion und den Einsatz derartiger Waffensysteme durch einen völkerrechtlichen Vertrag zu verbieten.
Alternativlos
Autonome Waffensysteme sind bereits jetzt ein maßgeblicher Bestandteil zahlreicher Konflikte unter Beteiligung technologisch fortgeschrittener Staaten, eine Tendenz –  dafür braucht es kein Orakel – die in Zukunft weiter zunehmen wird. Zum einen lässt sich, wie bei jeder neuen Waffentechnologie, ein dahingehendes Wettrüsten nicht vermeiden. Zum anderen sind autonome Waffensysteme vor allem für die westlichen „postheroischen“ (Herfried Münkler) Gesellschaften besonders attraktiv, um Opferzahlen in den eigenen Reihen zu vermeiden. Durch die Anhäufung vollautonomer Waffensysteme lässt sich die Anzahl im Militärbereich beschäftigter Personen – wie auch jetzt bereits im Industriesektor – überhaupt drastisch verringern. Daher werden auch die Initiativen, vollautonome Waffensysteme aufzuhalten, letztlich nicht fruchten. Wie die Geschichte der Prohibition oder auch der Kampf gegen den Drogenhandel zeigen, lässt sich ein Gut, für das eine entsprechende Nachfrage besteht, per Verbot ohnehin nicht aus der Welt schaffen.
 Ein (dunkler) Ausblick?
Je nach Konflikttyp ergeben sich daraus unterschiedliche Konsequenzen, wobei zwei grob vereinfacht zwei Szenarien unterschieden werden können. Ein Kennzeichen vieler moderner bewaffneter Konflikte ist die starke Asymmetrie hinsichtlich der militärischen und technologischen Kapazitäten der beteiligten Akteure. Die schwächeren vermeiden dementsprechend den offenen Kampf und versuchen ihre Unterlegenheit durch Guerilla-Taktiken – Angriffe aus dem Hinterhalt, Vermischung mit der Zivilbevölkerung, die als Schutzschild dient, Nicht-Tragen von Uniformen – und im Extremfall durch Selbstmordattentate wettzumachen. Es erscheint durchaus realistisch, dass in derartigen Konfliktszenarien (fast) ausschließlich Menschen gegen Maschinen kämpfen. Im Extremfall könnte die unterlegene Seite als Reaktion darauf das Kampffeld umso mehr in den Heimatstaat der Roboter verlegen, also dessen Zivilbevölkerung – das verbleibende sensible Rückgrat postheroischer Gesellschaften – verstärkt angreifen.
Das zweite Szenario betrifft zwischenstaatliche Konflikte oder jedenfalls solche, in denen die unterschiedlichen Akteure innerhalb eines Staats von außen durch mächtige Staaten unterstützt werden. Hier erscheint die direkte Konfrontation von automatisierten Waffensystemen äußerst realistisch, wobei sich hier großteils vollautonome Kampfroboter gegenüberstehen könnten, um der Verwundbarkeit durch die Notwendigkeit von Kommandozentralen zu entgehen oder sie zumindest abzuschwächen. Die Folgen für die Zivilbevölkerung wären unabsehbar. Der Idealfall wäre eine modern-bizarre Neuauflage der Kabinettskriege: Einigermaßen geregelte direkte Schlachten auf einem klar bestimmten Kampffeld ohne die Zivilbevölkerung wesentlich in Mitleidenschaft zu ziehen. Das Schreckensszenario wäre in Anlehnung an Clausewitz oder Ludendorff beziehungsweise die Erfahrungen aus dem Ersten Weltkrieg ein völlig entgrenzter absoluter Roboterkrieg, der sich aufgrund des militärtechnologischen Fortschritts verselbstständigt und auch nicht durch die Politik mäßigen lässt.
Als vor mittlerweile über 30 Jahren der erste Teil der „Terminator“-Reihe in die Kinos kam, schienen derartige Überlegungen zwar furchteinflößend, aber letzten Endes doch weit weg. Mittlerweile hat uns die Zukunft aber eingeholt. Einmal mehr läuft die Menschheit Gefahr, dass die Technik dem bestehenden Zivilisations- und Entwicklungsgrad davonläuft. So befremdlich es auch anmuten mag: Es gilt, diesem Thema gebührende Aufmerksamkeit zu widmen. 

Die syrische Gewaltspirale dreht sich weiter

In Syrien kommt es derzeit, wie es wohl kommen musste: Das verstärkte – direkte – Eingreifen Russlands und die Beteiligung tausender iranischer Soldaten bei einer anstehenden Offensive gegen Aleppo haben zu der erwartbaren Gegenreaktion von Seiten der anderen involvierten Staaten geführt. Eine baldige Beendigung scheint unter diesen Bedingungen schwieriger denn je.

Saudische und US-Amerikanische Unterstützung

Wie BBC berichtet, hat Saudi Arabien unter Billigung der USA einem nicht namentlich genanntem hochrangigem Regierungsmitarbeiter zufolge das Ausmaß seiner Waffenlieferungen stark erhöht. Daneben blieben Katar und die Türkei bei der Unterstützung der sunnitischen Kämpfer ebenfalls von vitaler Bedeutung. Außerdem betonte er, dass weder der Islamische Staat – der ja ohnedies trotz der ideologischen Nähe mit dem saudischen Königshaus auf Kriegsfuß steht – noch die al-Nusra Front beliefert wurden. Bei den Adressaten soll es sich vielmehr um Dschaisch al-Fatah (die Armee der Eroberung) sowie die Free Syrian Army und die zu ihr gehörende Südliche Front handeln. Laut einer durch das Institute for the Study of War kürzlich veröffentlichten Zusammenstellung der verschiedenen Oppositionellen handelt es sich um „moderate“ Gruppen, wobei hier natürlich stets Skepsis angebracht ist. Einmal mehr gilt die alte Binsenweisheit „one man’s terrorist is another man’s freedom fighter“; in den Augen Russlands und Assads handelt es sich jedenfalls bei sämtlichen Regimegegnern um Terroristen, weshalb auch bei der Auswahl der Ziele nicht differenziert wird.
Unter anderem handelte es sich um in den USA hergestellte hochmoderne Waffen zur Panzerabwehr, auf lange Sicht könnten sogar Luftabwehrraketen folgen – was bislang an der Sorge davor scheitert, dass diese in die falschen Hände geraten könnten, womit Flugzeuge der Allianz gegen den Islamischen Staat oder sogar zivile Luftfahrtzeuge in Gefahr wären.
Die USA selbst haben Berichten zufolge 50 Tonnen Munition im Norden Syriens abgeworfen, die von Truppen der Syrisch-Arabischen Koalition eingesammelt wurden, die damit gemeinsam mit der kurdischen YPG eine gemeinsame Offensive auf das Machtzentrum des Islamischen Staats Raqqa plant.

Das Elend der Stellvertreterkriege

Die gegenwärtigen Entwicklungen zeigen einmal mehr: In Syrien handelt es sich seit Längerem um einen Stellvertreterkrieg, bei dem sich letztlich auch die USA und Russland gegenüberstehen. Erinnerungen an frühere unselige Zeiten sind folglich nur allzu naheliegend – schließlich handelt es sich um das erste militärische Vorgehen Russlands außerhalb der ehemaligen Sowjetunion seit Ende des Kalten Krieges. Wie sich dieses sich letztlich auswirken wird, ist trotz der gegenwärtigen Erfolgsmeldungen noch offen, zumal viel davon abhängt, wie weit die Gegenseite gehen will. Die sowjetische Intervention in Syrien 1957 oder auch die Invasion in Afghanistan 1979 waren jedenfalls nicht sonderlich erfolgreich. Selbiges gilt freilich auch für die letzten Interventionen von Seiten des Westens und seiner Verbündeten. Aber von Gewinnern kann man bei Kriegen allgemein und bezugnehmend auf Syrien im Besonderen ohnehin nicht sprechen.