Die Crux mit dem Rauchverbot

Schwarzblau wird das umfassende Rauchverbot in der Gastronomie kippen. Ein paar Thesen dazu.

1.) Freiheit bedeutet, dass man sich den Weg zur Hölle selbst aussuchen darf. Allerdings geht es weniger um das individuelle Recht aufs Rauchen oder die freie Entscheidung des Wirten als um den Schutz der Arbeitnehmer in der Gastronomie.

2.) Aus liberaler Sicht rechtfertigt dieser Schutz zumindest in der grauen Theorie kein Rauchverbot. Aber: Die oft gehörte Behauptung, dass Gastronomie-Bedienstete die Beeinträchtigung durchs Rauchen bewusst in Kauf nehmen, verkennt die Lage am Arbeitsmarkt. Weil es hier wesentlich mehr Arbeitskräfte als Angebote gibt, ist die Freiwilligkeit bei der Auswahl des Arbeitsplatzes bzw. -sektors nur bedingt gegeben.

Andererseit, so hört man, werden in der Gastronomie händeringend Arbeitskräfte gesucht. So gesehen besteht innerhalb dieses Sektors durchaus Wahlfreiheit für Servierkräfte. Womit das Argument, dass Kellner sich aussuchen können, ob sie in einem Raucher- oder Nichtraucherlokal arbeiten wollen, doch greift. Problematisch wird es wiederum, wenn Chefs ihren Kellnern vorschreiben, in beiden Bereichen arbeiten.

Wie dem auch sei, die Gastronomiebranche wird jedenfalls nicht attraktiver. Obendrein  scheint das Rauchverbot in Großbritannien zu einem starken Rückgang von Lungenkrankheiten bei den Bediensteten im Gastronomiebereich geführt zu haben:

Manchmal hört man auch, dass Kellner ja ohnehin oft selber rauchen. Inwiefern das eine zusätzliche Gesundheitsbeeinträchtigung rechtfertigt, will sich mir jedoch nicht erschließen.

3.) Was fehlt, sind Vorschläge fernab von pauschalem ja vs. nein. Wir lieben doch „österreichische Lösungen“, also Mittelwege. Wie wäre es z.B. damit, einen Raucherbereich mit Selbstbedienung zu schaffen? Und ja, das wäre natürlich auch keine perfekte Lösung (was ist mit den Aschenbechern, wer räumt ab, wenn die Gäste es nicht selbst tun (wollen)?)

4.) Ganz allgemein haben die letzten Wochen gezeigt, dass Vieles von dem, was manche als fortschrittlich/allgemein etabliert angesehen hat (vom Rauchverbot bis hin zu arbeitspsychologischen oder elementarpädagogischen Erkenntnissen oder Fußgängerzonen und Radwegen), auf wackeligen Beinen steht – eben, weil es nie bei allgemeiner Bevölkerung angekommen ist.

5.) Die FPÖ spricht doch für einen Ausbau der direkten Demokratie aus: Vielleicht wäre das Rauchverbot ja ein guter erster Anwendungsfall.

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