Kleiner Filmtipp

Noch verkatert von Silvester? Auf der Suche nach irgendwas zum Streamen, aber schon so gut wie alles auf Netflix gesehen (ok, ich weiß, die dritte Staffel von Cobra Kai ist gerade erschienen)? Dann hab ich einen Tipp von euch.

Und zwar einen Klassiker der österreichischen Filmgeschichte: „1. April 2000“, eine Art Propaganda-Science Fiction-Film aus dem Jahr 1952 – er spielt in der Zukunft, wie man sie sich eben damals vorgestellt hat: Österreich ist immer noch besetzt, weswegen der Präsident seine Unabhängigkeit erklärt, wird dafür von den Alliierten vor der „WeSchuko“, der „Weltschutzkommission“ (unklar bleibt, ob der Internationale Gerichtshof, der UNO-Sicherheitsrat oder der UN-Treuhandschaftsrat gemeint ist) wegen „Aggression“ und „Bruch des Weltfriedens“ (beide Begriff findet man in Artikel 39 der UN-Charter) angeklagt, die sich aus einer Vertreterin Südamerikas, einem Vertreter für Nordamerika, Afrika, einem der „islamischen Union“ und einem Chinesen als Vertreter des asiatischen Raums (Vorsicht – brutale Klischees!). Den Vorsitz hat übrigens eine Frau inne, was gegen Ende einen durchaus frühfeministisch deutbaren Dialog zwischen ihr und dem österreichischen Staatsoberhaupt auslöst.

In letzter Instanz entscheidet die „Globalunion“ über das Schicksal des Landes, die es nach Auffindung der Moskauer Erklärung von 1943 in die Unabhängigkeit entlässt – ein früher Beitrag zum Opfermythos. Wie man es sich wohl denken kann, ist der Film nicht immer völkerrechtlich akkurat (eigentlich nie), aber man will ja nicht übergenau sein. Was bleibt, ist ein aus heutiger Sicht nicht unspannendes zeitgeschichtliches Dokument, das die neue österreichische Identität formen sollte (man bedenke, dass 1956 noch 47% der Österreicher der Ansicht waren, keine Nation zu sein*): Als harmloses Hallodri-Volk, das gern sauft, singt und Musik macht. Hans Moser und Qualtinger sind auch dabei. Wer suchet, der streamet!

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* rund 49% fühlten sich wiederum bereits als Nation, 23% gaben an, „sich bald als Nation zu fühlen“, 5% machten keine Angaben. Quelle: Helmut Kramer, ‚Strukturentwicklung der Außenpolitik (1945-2005)‘ in Dachs, Gerlich, Gottweis, Kramer, Lauber, Müller, Tálos (Hrsg.), Politik in Österreich. Das Handbuch (Manz 2006) 808, 814

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