Rezension: Jan-Werner Müller, Furcht und Freiheit. Für einen anderen Liberalismus (edition suhrkamp)

In Zeiten des Coronavirus darf man mehr lesen. Eine kleine Rezension für zwischendurch.

Müller kann und muss man heutzutage lesen. Vor allem wenn er sich auf Judith Sklar und ihren Furchtbegriff bezieht – eine leider über weite Strecken in Vergessenheit geratene beziehungsweise vor allem im deutschen Sprachraum unterthematisierte Denkerin. Müller spannt einen weiten Bogen vom Wirtschaftsliberalismus bis hin zum Populismus, den er schon in seinem anderen – früheren – Buch ausführlich und gut dargestellt hat. Gegen ausgrenzen von Populisten, aber für rote Linien. Apropos rot: Ein wenig fällt der rote Faden dann doch, mir war nicht ganz klar, worauf sein Liberalismus genau hinauswill: Eine Übertragung von Shklars Thesen ins Jahr 2020? Eine Kritik daran? Was genau ist das für ein Liberalismus, welche Rolle kann er in Zeiten von Corona spielen (natürlich ist das Buch vor der Krise entstanden)? Da war ich ein wenig unschlüssig. Dennoch eine Leseempfehlung, alleine der Denkanstöße wegen!

Zumindest Liberale, die sich mit dem neuen fighting faith [um Muslime von der liberalen Demokratie und den Menschenrechten zu überzeugen] identifizierten, nahmen offenbar an, der Liberalismus benötige stets einen Gegner, um sich seiner selbst wirklich sicher zu sein; >>schwache<< Zeiten, die doch eigentlich liberal im Sinne von tolerant und entspannt scheinen, sind offenbar nicht gut für den Liberalismus … stets auf Feinde fixierte Liberale hätten wenig Vertrauen in die intrinsische Attraktivität ihrer Ideen, und im ständigen Ringen mit allerlei Feinden verrieten sie diese Überzeugungen bisweilen selbst.

S. 30

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