Ausgelesenes

Wieder ein paar Buchtipps/Zitate aus den letzten Lesewochen. Die verfehlte Schöpfung, Homo Deus, The Guardians, Eric.

E.M. Cioran, Die verfehlte Schöpfung (Suhrkamp 1979)

Lose Gedanken für die schweren Gemüter. Mal gewaltiger, mal sind es bloße vereinzelte Wortspenden, die auch Küchenphilosophen hinbekommen würden. So richtig schlau bin ich aus dem guten Cioran nicht geworden.

Wir waren nur in jenen Epochen glücklich, in denen wir, auf Selbstpreisgabe begierig, unser Nichts begeistert annahmen. Das religiöse Gefühl entspringt nicht der Tatsache, dass wir bedeutungslos sind, sondern unserem Wunsch danach, unserer Sehnsucht, uns in dieser Bedeutungslosigkeit zu wälzen. Können wir dieses unserer natur innewohnende Verlangen nunmehr stillen, da wir nicht mehr im Schlepptau der Götter leben können?

Yuval Noah Harari, Homo Deus: A Brief History of Tomorrow (HarperCollins 2016)

Harari erklärt im Prinzip die ganze Welt und eigentlich eh alles. Das geht, wenn man sich eine Leitthese sucht und alles darauf hinbiegt, was einem unterkommt: Von Big Data über Reproduktionsmedizin bis hin zum Kalten Krieg:  Der Mensch verändert aufgrund des Fortschritte der letzten Jahre (wobei er ein gar positives Bild zeichnet) zum ersten Mal in seiner Geschichte nur nicht seine Umgebung, sondern vielmehr sich selbst. Eine historische Zäsur, die letztens zur menschlichen Selbstüberwindung führen könnte, bis hin zur Antwort auf die alte Suche nach dem ewigen Leben.

Success breeds ambition, and our recent achievements are now pushing humankind to set itself even more daring goals. Having secured unprecedented levels of prospoerity, health and harmony, and given our past record and our current values, humanity’s next targets are likely to be immortality, happiness and divinity. Having reduced mortality from starvation, disease and violence, we will not aim to overcome old age and even death itself. having saved people from misery, we will now aim to make them positively happy. And having raised humanity above the beastly level of survival struggles, we will not aim to upgrade humans into gods, and turn Homo sapiens into Homo seus. … In the twenty-first century, the third big project of humankind will be to acquire for us divine powers of creation and destruction …

Susanne Pedersen, The Guardians: The League of Nations and the Crisis of Empire (Oxford University Press 2015)

Es muss ja nicht immer gleich die ganze Welt sein; andere Sachbücher widmen sich Spezialthemen, um sich im Detail zu verlieren. Pedersens The Guardians fällt jedenfalls klar in letztere Kategorie: Es geht um die Praxis des Völkerbunds in Bezug auf die ehemaligen deutschen und osmanischen Gebiete.

Ein besonderer Fokus liegt dabei auf der Permanent Mandates Commission und deren Mitglieder bzw. die Staaten, die sie vertreten haben. Was bisweilen doch ermüdet. Dennoch gilt: Oft hilft Detailwissen dabei, größere Zusammenhänge besser zu verstehen. Und das gelingt bei diesem Buch auf jeden Fall, man denke nur an die Neuaufteilung und Verwaltung des Nahen Ostens und Afrikas nach dem Ersten Weltkrieg und ihre Auswirkungen auf den Völkermord in Ruanda, den Konflikt zwischen Israel und den Palästinensern oder die Situation im Irak und Syrien.

What was new however, was the apparatus and level of international diplomacy, publicity, and ‚talk‘ that the system brought into being. Put bluntly, League oversight coult not force the mandatory powers to govern mandated territories differently; instead, it obliged them to say they were governing differently. Imperial statesmen and officials had to face wearying, detailed, and often acrimonious interrogations in Geneva, often with experts briefed by humanitarian lobbies or rival foreign ministries posing questions, and a host of journalists, petitioners, and even nationalist leaders waiting outside the door. The mandate system, in other words, was a vehicle for what we might call ‚internationalization’—the process by which certain political issues and functions are displaced from the national or imperial, and into the international, realm.

Shaun Tan, Eric (templar publishing 2010)

Eric ist ja kein richtiges Buch. Oder eigentlich doch. Was ist ein Buch? Wer sagt, was ein Buch ausmacht? Und damit wären wir schon bei Eric, dem schwer deutbaren Austauschstudenten, der auf einmal wieder weg war. Ein kleines illustriertes und nur wenig Text beinhaltendes Heftchen mit Hardcover könnte man sagen. Aber die Art von Büchlein mit Botschaft, wobei viel Interpretationsspielraum bleibt: Realität als das, was man daraus macht.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s