König-Abdullah-Zentrum zieht nach Genf

Laut Kurier zieht das König-Abdullah-Zentrum (KAICIID) nach Genf. Ein herber Rückschlag für Österreich als Standort für Internationale Organisationen. Eigentlich hätte man das KAICIID von Anfang an anders konzipieren müssen – oder es gleich lassen.

Österreich rühmt sich als Standort Internationaler Organisationen. Wien ist einer von nur vier UN-Sitzen. Dazu kommen OPEC, IAEA oder die OSZE. Wirtschaftlich und politisch ist das viel wert: Eine Studie für das Außenministerium beziffert den gesamten Wertschöpfungseffekt auf über 2,6 Milliarden Euro.

Zwischen Farce und Tragödie

Das KAICIID war von Anfang an eine fundamentale Fehlleistung. Die damalige österreichische Regierung (Außenminister war damals Michael Spindelegger) wollte um jeden Preis eine weitere Internationale Organisation im Land. Selbst auf den Verweis auf König Abdullah hatte man gepocht. Anders als mit Naivität und vorauseilendem Land vor einem potenten Geldgeber kann ich mir das nicht erklären. Dazu kommt die Postenbesetzung. Generalsekretärin Claudia Bandion-Ortner (ÖVP) ist mit ihrem Sager, in Saudi-Arabien werde nicht jeden Tag jemand geköpft, in unrühmlicher Erinnerung geblieben. 

Im Nachhinein ist man immer klüger. Damals hätte man es aber wirklich im Vorhinein wissen können, ja müssen: Dachte wirklich niemand, dass die Kritik an Saudi-Arabien auch eine vom Königshaus finanzierte Internationale Organisation treffen könnte? Dass Politik und öffentliche Meinung wirklich zwischen Saudi-Arabien und einer Internationale Organisation differenzieren, die noch dazu großteils mit saudischen Geldern finanziert wird und gerade einmal drei Mitglieder (Spanien ist das dritte) zählt? Unabhängig davon, dass die tatsächlichen Aktivitäten des KAICIID in der Tat für ihre dialogfördernde Wirkung zwischen den Religionen gelobt werden und dort – entgegen einer vielfach verbreiteten Meinung – eben nicht „lauter Scheichs“ arbeiten (nur 5% der Mitarbeiter sind Saudis). Vielmehr sind die meisten Mitarbeiter – 30 Prozent – aus Österreich.

Jetzt haben wir den Salat, er ist nicht nur angerichtet, sondern auch gegessen. Zum ersten Mal in der Geschichte internationaler Organisationen wird ein Hauptquartier aufgrund politischen Drucks aus dem Sitzstaat verlegt. Die Schweiz beziehungsweise der ungleich größere Wien-Konkurrent Genf reibt sich die Hände. Sollten die österreichischen Forderungen nach einer Umbenennung und/oder Aufnahme zusätzlicher Mitglieder umgesetzt werden, hat man erst recht nichts davon. Wenn Saudi-Arabien jetzt – gewissermaßen als „Revanche“ – obendrein auch noch OPEC und OFID (den OPEC Fund for International Development) verlegt, hat Österreich beziehungsweise Österreich endgültig den diplomatischen „Aufdraht’n“.

Hinweis: Zur Rechtslage rund um das KAICIID habe ich in einer Folge meines Recht politisch-Podcasts gesprochen:

(siehe auch https://podcasts.apple.com/us/podcast/k%C3%B6nig-abdullah-zentrum-wird-geschlossen/id1474797855?i=1000445684657)

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