Der Flüchtlingsbegriff: Wenn alle aneinander vorbereiden

Die Flüchtlingskrise wird uns auf unbestimmte Zeit beschäftigen. Was, auch wenn viele das Thema bereits nervt, in der Natur der Sache liegt. Schließlich werden dabei essentielle, emotionale Fragen berührt: Demographische Veränderung, Rückbau des Sozialstaats, Integration, die Sorge vor Islamisierung, Destabilisierung, ja sogar vor Unruhen und Konflikten. Umso drängender die Notwendigkeit, ein wenig Klarheit zu schaffen (oder es zumindest zu versuchen). Oft genug reden die Menschen schlichtweg aneinander vorbei.
Das zeigt sich bereits beim Begriff des Flüchtlings, der – so scheint es jedenfalls – seine als zu negativ behaftet angesehenen Vorgänger wie „Asylant“ oder „Asylwerber“ (Österreich)/Asylbewerber (Deutschland) oft abgelöst hat.

Europa: Ein Haus, das bleibt

Viel wird von Europa und damit von der EU geredet. Oft in Sorge. Davor, dass der „europäische Gedanke“ im Sterben liegen könnte, geopfert am Altar der Ängste und egoistischer, nationalstaatlicher Interessen. Gerade jetzt, so wird dem entgegengesetzt, müsse man jedoch „mehr Europa wagen“, ein Rückfall in die Zeit der Nationalstaaten sei verheerend. Allein, die Ansichten darüber, was Europa eigentlich ist, gehen auseinander.

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Zum Tod von Trifon Iwanow: A walk down the memory lane

Trifon Iwanow ist heute im Alter von gerade einmal 50 Jahre verstorben. Der Bulgare mit dem charakteristischen Bartwuchs steht wie kaum ein anderer für den österreichischen Fußball der Mitt-1990er Jahre, genauer gesagt der damals höchst erfolgreichen Rapid-Mannschaft. Für viele eine prägende Zeit. Mehr als genug Anlass zum Sinnieren.

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Der Lugner-Effekt

Richard Lugner, Baumeister der Nation, tritt also zur Bundespräsidentschaftswahl an. Die Häme hat ja bereits vor längerem eingesetzt und wird nun wohl weiter zunehmen – die heutige Pressekonferenz mitsamt den dazugehörigen Tweets war ein erster Vorgeschmack. Der Bundespräsident, das ist in Österreich schließlich ein (nahezu ausschließlich) repräsentatives Amt, eine Art Ersatz-Kaiser – freilich ohne dessen weitreichenden realpolitischen und juristischen Kompetenzen. Fix ist dennoch: Damit kommt mehr Bewegung in die Sache.
Richartd Lugner weist freilich Parallelen zu Frank Stronach oder gar Donald Trump auf. Erfolgreiche Unternehmer im fortgeschrittenen Alter (erstere beide bereits jenseits der 80), die eigenwillig denken und viel Angriffsfläche bieten. Man riecht förmlich, wie lustige und halblustige Journalisten, Komödianten und wer auch immer sich auf deren Kosten gerne amüsiert, nach peinlichen Auftritten gieren. Dazu kommt ihr Faible fürs weibliche Geschlecht, das sie in einer Weise öffentlich inszenieren, die geschlechtersensibilisierten Menschen als Relikt aus Zeiten erscheint, die man überwunden sehen möchte.
Man kann an diesen Männern jedoch ungeachtet der zahlreichen berechtigten und teilweise auch überzogenen Kritikpunkte auch etwas anderes sehen. Immerhin sind sie authentisch. Sie scheinen auf Coaching großteils, wenn nicht zur Gänze, zu verzichten. Vielmehr reden sie einfach „wie ihnen der Mund gewachsen ist“, also ohne Rücksicht auf Verluste, Shitstorm und dergleichen. Was freilich insbesondere im Falle Trumps hochproblematisch ist, da er wesentlich mehr Erfolg und Reichweite als seine österreichischen Pendants hat und seine ungleich radikaleren Aussagen im Zusammenhang mit der wesentlich bedeutsameren US-Präsidentschaftswahl tätigt.
Aber dieser Zugang hat zumindest irgendwo auch etwas Erfrischendes. Keine leeren Worthülsen, kein langes Zuwarten, um ja nichts Falsches zu sagen, keine Versuche, Dinge zu sagen, von denen man glaubt, dass sie im Moment gut ankommen. Kurzum: All das, was an der modernen Politik bisweilen anstrengend ist oder gar nervt. Auch Armin Wolf verdankt seinen Erfolg dem simplen Faktum, dass er standardisierte Ausweich-Antworten oft genug einfach nicht zulässt, sondern nachhakt. Schließlich hat man insbesondere bei den „Elefantenrunden“ und anderen TV-Großauftritten nicht mehr das Gefühl, einen ganz normalen Menschen vor sich zu haben, sondern das aalglatte Endprodukt zahlreicher Briefings und Rhetorikschulen. Wo Österreich freilich noch nicht so weit ist wie die USA. Hier gibt es letzten Endes doch noch Politiker, die – mag man von ihnen halten, was man will – „kernig“ bis „urig“ wirken („man bringe den Spritzwein!“). Langfristig wird es jedoch wohl zu einer weiteren Zunahme des Coaching-Wahns und der dazugehörigen Entfremdung der Person des Berufspolitikers kommen.
Hier liegt der zweite durchaus positive Aspekt an diesen alten Männern. Sie sind „Quereinsteiger“, die sich ihre Sporen fernab der Politik verdient haben. Denen das soziale Feld der Politik fremd ist. Auch deshalb wirken sie ungeachtet ihres Wohlstands bisweilen wesentlich volksnäher – was sie ja auch gerne betonen – als die Damen und Herren aus den Reihen der Spitzenpolitik, die oftmals wenig bis keine Erfahrungen in der „Privatwirtschaft“ gesammelt haben. Das Durchlaufen der parteilichen Tretmühle führt unweigerlich auch dazu, dass man in einer eigenen Welt – man kann es eine „Politikerbubble“ nennen – lebt. Viele dürften im Alltag wenig bis gar nichts mit 0815-Bürgern, insbesondere der „Unterschicht“ zu tun haben (zumindest wirkt es so). Hier liegt ein wesentlicher Unterschied: Auch wenn ich Richard Lugner nicht persönlich kenne – wenn ich mit ihm plaudern will, brauche ich nur ab und an in die Lugnercity zu gehen. Für ein Plauscher’l ist er angeblich immer zu haben.