Camus, Die Pest (Zitate)

Camus‘ die Pest gelesen. Einige zitierenswerte Passagen dabei.

Es hat auf der Welt genauso viele Pestepidemien gegeben wie Kriege. Und doch treffen Pest und Krieg die Menschen immer unvorbereitet.

Aber was sind hundert Millionen Tote? Wenn man den Krieg mitgemacht hat, weiß man kaum, was ein Toter überhaupt ist. Und da ein toter mensch nur von Bedeutung ist, wenn man ihn tot gesehen hat, sind hundert Millionen über die Geschichte vertrsteute Leichen in der Vorstellung nur Rauch.“

… der Erzähler neigt eher zu der Auffassung, dass man dem Bösen letztlich indirekt eine starke Huldigung erweist, wenn man die guten Taten zu wichtig nimmt: Damit deutet man nämlich an, dass diese guten Taten nur deshalb einen so großen Wert haben, weil sie selten sind, und dass Bosheit und Gleichgültigkeit ein sehr viel häufigerer Antrieb des menschlichen Handelns sind. Diese Ansicht teil der Erzähler nicht. Das Böse in der Welt geht das immer von Unwissenheit aus, und der gute Wille kann ebenso viel Schaden anrichten wie die Bosheit, wenn er nicht aufgeklärt ist. Die Menschen sind eher gut als böse, und eigentlich geht es gar nicht um diese Frage. Aber sie sind mehr oder weniger unwissend, und das nennt man dann Tugend oder Laster, wobei das hoffnungsloseste Laster das der Unwissenheit ist, die alles zu wissen vermeint und sich deshalb das Recht nimmt zu töten. Die Seele des Mörders ist blind, und es gibt keine wirkliche Güte oder wahre Liebe ohne die größtmögliche Klarsichtigkeit.

Und am Ende merkt man schließlich, dass niemand fähig ist, wirklich an jemanden zu denken, nicht einmal im schlimmsten Unglück. Denn wirklich an jemanden denken heißt, Minute für Minute an ihn denken, ohne sich durch etwas ablenken zu lassen, weder von Haushaltsarbeit noch vom Essen, noch von einem Juckreiz. Aber es gibt immer Fliegen und Juckreize. Deshalb ist das Leben schwer zu leben. Und das wissen die hier genau.

Er wusste, was seine Mutter dachte und dass sie ihn in diesem Augenblick liebte. Aber er wusste auch, dass es nicht viel bedeutet, einen Menschen zu lieben, oder zumindest, dass eine Liebe nie stark genug ist, um den ihr gemäßen Ausdruck zu finden. So würden seine Mutter und er sich immer schweigend lieben. Und sie würde ihrerseits sterben – oder er –, ohne dass sie ihr Leben lang einander ihre Zuneigung deutlicher hatten bekennen können.

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