why working conditions in International Organizations are so bad

In a brand new article in IOLR, the legal adviser of NATO explains why bad working conditions are necessary for their functioning. Worth read for all those eager to pursue a career in this field:

„the notion of precarious employment within international organizations is inherent in their evolving nature and, therefore, necessary for the survival of international organizations.
[…] We have seen that many international organizations’ employment practices are very similar, and that they often provide only relative, non-permanent employment guarantees. However, these apparently negative practices seem to benefit the overall functioning of these institutions. Nevertheless, the pursuit of precarious employment practices affects one of the core elements of international organizations’ esprit de corps — loyalty. The pernicious effects of weak or non-existent allegiance among international staff members create vulnerabilities for international organizations, which may reach the point that the relevant organization’s constitutional
objectives cannot be met.“

Andrés Muñoz Mosquera, ‚On the Notion of Precarious Employment in International Organizations‘ 11  International Organizations Law Review (2014), 294-317

good read on Syria

The Syrian government does not publish casualty figures by sect, but martyrs’ notices pasted on the walls in Jabal Alawia, the Alawite heartland in the hills east of the port of Latakia, indicate that the Alawites have suffered a disproportionate share of deaths in the war to preserve the Alawite president. A myth promulgated by the Sunni Islamist opposition is that the Alawites have been the main beneficiaries of forty-four years of Assad family rule over Syria, but evidence of Alawite wealth outside the presidential clan and entourage is hard to find. The meager peasant landholdings that marked the pre-Assad era are still the rule in Jabal Alawia, where most families live on the fruits of a few acres. Some Alawite merchants have done better in the seaside cities of Latakia and Tartous, but so have Sunni, Druze, and Christian businessmen. This may explain in part why, from my own observations, a considerable proportion of Syrian Sunnis, who comprise about 75 percent of the population, have not taken up arms against the regime. If they had, the regime would not have survived.
The rising number of Alawite young men killed or severely wounded while serving in the army and in regime-backed militias has led to resentment among people who have no choice other than to fight for President Assad and to keep their state’s institutions intact. Their survival, as long as Sunni jihadists kill them wherever they find them, requires them to support a regime that many of them oppose and blame for forcing them into this predicament.

http://www.nybooks.com/articles/archives/2014/nov/06/syria-we-dont-know/ 

In addition, there is new insight from VICE news, including the alliance between „moderates“ and Islamist groups in their recent advances against Assad’s troops:

https://www.youtube.com/watch?v=d-2uvKfYGQ4 

Kant, Grexit und Staatsschulden

Die Griechenland-Krise erhitzt nach wie vor die Gemüter; sogar die FDP beziehungsweise ihr Chef Christian Lindner hat, nach ihrem Abschied aus dem Bundestag wohl auf der Suche nach markanten Positionen, sich mittlerweile für ein Ausscheiden Griechenlands aus der Eurozone ausgesprochen. Umgekehrt hat auch der Ton aus Athen eine neue Schärfe angenommen, inklusive der im Raum stehenden Möglichkeit, sich bei der Suche nach Geldquellen ausgerechnet Russland zuzuwenden.
Obendrein werden immer wieder die horrenden Kosten des griechischen Militärs angeführt, von denen nicht zuletzt die deutsche Rüstungsindustrie profitiert. Gerade hier muss man unweigerlich an Kants berühmte Schrift „Zum Ewigen Frieden“ denken, die als Grundlage für die „democratic peace theory“ und – wohlweislich entgegen Kants eigentlicher Intention (siehe den 5. Präliminarartikel in besagter Schrift) – die Demokratisierung mit Waffengewalt (Regime Change) diente; denn hier findet sich auch ein gemeinhin vergessener Artikel (der 4. Präliminarartikel) zu den Auswirkungen von Staatsverschuldung:

4. »Es sollen keine Staatsschulden in Beziehung auf äußere Staatshändel gemacht werden.«

Zum Behuf der Landesökonomie (der Wegebesserung, neuer Ansiedelungen, Anschaffung der Magazine für besorgliche Mißwachsjahre u.s.w.) außerhalb oder innerhalb dem Staate Hülfe zu suchen, ist diese Hülfsquelle unverdächtig. Aber, als entgegenwirkende Maschine der Mächte gegen einander, ist ein Kreditsystem ins Unabsehliche anwachsender und doch immer für die gegenwärtige Forderung (weil sie doch nicht von allen Gläubigern auf einmal geschehen wird) gesicherter Schulden – die sinnreiche Erfindung eines handeltreibenden Volks in diesem Jahrhundert – eine gefährliche Geldmacht, nämlich ein Schatz zum Kriegführen, der die Schätze aller andern Staaten zusammengenommen übertrifft, und nur durch den einmal bevorstehenden Ausfall der Taxen (der doch auch durch die Belebung des Verkehrs, vermittelst der Rückwirkung auf Industrie und Erwerb, noch lange hingehalten wird) erschöpft werden kann. Diese Leichtigkeit Krieg zu führen, mit der Neigung der Machthabenden dazu, welche der menschlichen Natur eingeartet zu sein scheint, verbunden, ist also ein großes Hindernis des ewigen Friedens, welches zu verbieten um desto mehr ein Präliminarartikel desselben sein müßte, weil der endlich doch unvermeidliche Staatsbankerott manche andere Staaten unverschuldet in den Schaden mit verwickeln muß, welches eine öffentliche Läsion der letzteren sein würde. Mithin sind wenigstens andere Staaten berechtigt, sich gegen einen solchen und dessen Anmaßungen zu verbünden.

Politainment, diesmal in grün. Oder: Von Maria Vassilakou zu Henry Kissinger

Die Wiener Grünen plakatieren derzeit ein äußerst großes Plakat an prominenter Stelle neben Wiener Naschmarkt und APA. Darauf abgeildet die Wiener Vizebürgermeisterin, an die Wand geklebt und mehr oder minder bewegungsunfähig, verbunden mit einigen Zitaten: „Ich soll den Häupl Michi nicht immer so ärgern“, „Ich soll die Pappn halten, wenn der Michi spricht“ und „Ich soll dem Häupl Michi nicht immer die Mahü unter die Nase reiben“.
Jetzt könnte man dazu allerhand sagen beziehungsweise wurde dazu auch schon viel gesagt (man lese nur die Kommentare auf der Facebook-Präsenz der Wiener Grünen, Popcorn bereithalten). Unweigerlich muss man unter anderem auch an den Begriff des Politainment, also die Verknüpfung von Politik mit Entertainment, denken. Um nichts anderes handelt es sich bei personenbezogener Politik dieser Art freilich, eine Entwicklung, die insbesondere in den USA mit der Verbreitung des Fernsehers eingesetzt (so gab es beispielsweise seit Dwight Eisenhower keinen US-Präsidenten mit haarausfallbedingter Glatze) und durch das Internet und social media eine neue Dimension erreicht hat. So werden Politiker auch in den hiesigen Medien immer weniger anhand inhaltlicher Fragen beurteilt als in Bezug auf ihre Persönlichkeit. Was zählt, sind entfernt mit Politik zusammenhängende Handlungen, rhetorische Kniffe, allgemeines Auftreten bis hin zur Kleidung. Und natürlich die Reaktionen und Streitereien mit anderen Parteien. Passend dazu auch die Schlagzeile im aktuellen Heute, die daraus sogleich ein kleines Polit-Drama macht.

So, was hat das alles nun mit Henry Kissinger zu tun? Nicht viel. Außer, dass er sich in seinem letzten Buch (World Order) zum Ursprung von Politainment äußert, den in einen größeren weltpolitischen Kontext stellt: So sind Politiker in einer immer komplexer werdenden Welt mit den von ihnen abgesegneten Regulierungsmaßnahmen überfordert. Das Abstellen auf Charisma anstelle von inhaltlicher Ausrichtung ist somit eine Möglichkeit, davon abzulenken, indem man die Schwerpunkte politischer Arbeit anders setzt:

„A combination of chronic insecurity and insistent self-assertion threatens both leaders and the public in the Internet age. Leaders, because they are less and less the originators of their programs, seek to dominate by willpower or charisma. The general public’s access to the intantibles of the public debate is ever more constrained. Major pieces of legislation in the United States, Europa, and elsewhere often contain thousands of pages of text whose precise meaning is elusive even to those legislators who voted for them.“

Wo diese Entwicklung endet, bleibt freilich offen. Ein Schreckensszenario bietet der Film „Idiocracy“; bleibt die Hoffnung, dass politische „Duelle“ in Zukunft nicht in Form von körperlichen Schaukämpfen im Stile von „American Gladiators“ stattfinden.