WM und Völkerrecht, Tag 3

Australien als terra nullius, Wirtschaftskrisen, Verfassungskrisen und Staatsgrenzen.

Frankreich-Australien

Hier kann man an die gestern genannten Verträge zwischen Spanien und Portugal anknüpfen: Schließlich war auch Frankreich eine Kolonialmacht (ihr seht schon, heute geht es um ein hochproblematisches Kapitel der Völkerrechtsgeschchte). Die vom Kolonialismus betroffenen Gebiete hatten grundsätzlich einen (eingeschränkten) Rechtsstatus bzw. wurden sie als Staaten betrachtet (viel genützt hat es ihnen nicht). Einzige Ausnahmen waren Neuseeland und – hier schließt sich der Kreis zum Spiel – Australien. Die dortigen Ureinwohner galten nicht als hinreichend organisiert/“zivilisiert“, Australien wurde daher als terra nullius angesehen (herrschaftsloses Gebiet, das man sich originär aneignen kann).

Argentinien-Island

Beide Ländern wurden in ihrer jüngeren Vergangenheit von schwerwiegenden Wirtschaftskrisen erschüttert. Ersteres war wegen dem Bankrott um die Jahrtausendwende in zahlreiche Investitionsschutzklagen involviert. Eine bedeutende Rechtsfrage dreht sich darum, ob Argentinien sich erfolgreich auf den Notstand als Ausnahme von Staatenverantwortlichkeit für Investitionen berufen konnte (wobei es diesen selbst herbeigeführt hat). Auch Island wurde (einige Jahre später) von einer enormen Finanzkrise (ausgehend vom Bankensektor) erfasst – langfristig ist die Sache (zumindest einigermaßen) gut ausgegangen, das Modell Island gilt gar als Erfolgsgeschichte.

Dänemark-Peru

Sowohl für Dänemark als auch für Peru ist das Jahr 1992 von entscheidender Bedeutung. Dänemark wurde damals Europameister; mit dem traurigen Hintergrund, dass es sich eigentlich nciht qualifiziert hatte. Dänemark war nachgerückt, weil das damalige Jugoslawien wegen dem Krieg nicht mitspielen konnte. Deren damalige Mannschaft hätte auch gute Chancen auf einen Sieg gehabt (da waren Kaliber wie wie Prosinecki, Boban, Suker, Stojkovic, Mijatovic, Jugovic oder Suker dabei; Trainer war damals übrigens der zumindest älteren österreichischen Fußballfans wohlbekannte Ivica Osim).

Für Peru markiert 1992 ein Schlüsseljahr, weil das damalige Staatsoberhaupt Alberto Fujimori den Kongress aufgelöst und im (Quasi-)Alleingang die Verfassung geändert hat; man spricht von einem „präsidentiellen Putsch“ bzw einem „autogolpe“. 2000 ist er nach zahlreichen schwerwiegenden Menschenrechtsverletzungen (insbesondere im Zuge des Kampfes gegen die maoistischen Guerillas und das Tupac Amaru Revolutionsbewegung) und Korruptionsvorwürfen freiwillig ins Exil gegangen. 2009 wurde er in Peru zu 25 Jahren Haft verurteilt, im Vorjahr folgte jedoch eine (umstrittene) Begnadigung.

Sowohl Kroatien als auch Nigeria haben einen besonderen Bezug zum sogenannten uti possidetis-Prinzip. Dieses besagt, dass bestehende (koloniale) Grenzziehungen trotz ihrer Willkür bei Erlangung der Unabhängigkeit beibehalten werden sollen. So sollten Gebietsstreitigkeiten vermieden werden. Es wurde beim Zerfall Jugoslawiens auch auf interne bzw nicht-koloniale Grenzen angewandt, weswegen das Gebiet des heutigen Kroatiens der ehemaligen Teilrepublik Kroatien entspricht.

Nigeria-Kroatien

Hier gibt es einen gemeinsamen Bezug zum sogenannten uti possidetis-Prinzip. Dieses besagt, dass (koloniale) Grenzziehungen trotz ihrer Willkür bei Erlangung der Unabhängigkeit beibehalten werden sollen. So sollten Gebietsstreitigkeiten vermieden werden. Es wurde beim Zerfall Jugoslawiens auch auf interne bzw nicht-koloniale Grenzen angewandt, weswegen das Gebiet des heutigen Kroatiens der ehemaligen Teilrepublik Kroatien entspricht.

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