Neue Munition für die Polizei

Die österreichische Polizei hat neue Munition bekommen, sogenannte Teilmantelgeschosse. Das ist nicht unheikel.

Teilmantelgeschosse verformen sich im Körper, was zu schwereren Verletzungen und öfter zum Tod führt als die Verwendung „normaler“ Projektile. Gleichzeitig haben sie dadurch eine hohe „Mannstoppwirkung“ was Polizisten, gefährdete Personen und Unbeteiligte besser schützt.

Im Krieg sind Teilmantelgeschosse wegen dem Verbot, Kommandanten unnötiges Leid und überflüssige Verletzungen zuzufügen, ausdrücklich verboten (genau genommen in der Haager Landkriegsordnung).
Zu Friedenszeiten gilt dieses Verbot allerdings nicht. Was streng genommen bedeutet, dass Zivilisten weniger Schutz genießen als Soldaten. Das ist allerdings weniger widersprüchlich als man meinen mag:

  • das Abfeuern solcher Munition mit einer Pistole hat eine geringere Wirkung als, wie in Konflikten üblich, mit Gewehren; außerdem ist die Munition nicht ganz dieselbe
  • während im Krieg jeder Kämpfer ein legitimes Ziel darstellt, gelten für Polizisten strenge Regeln für den Einsatz von Schusswaffen (in Österreich das Waffengebrauchsgesetz 1969)
  • die medizinische Versorgung von Betroffenen ist zu Friedenszeiten im Regelfall besser
  • es gibt auch andere Waffenarten, die nur im Krieg verboten sind (zB Tränengas, das unter das Verbot von Chemiewaffen fällt)
  • bei Teilmantelgeschossen erfolgt kein Durchschuss, sie bleiben im Körper des Getroffenen stecken. Daher sind sie im Zusammenhang mit Massenunruhen oder Geiselnahmen besseren Schutz von Unbeteiligten.

Dennoch sollte man skeptisch bleiben. Im allgemeinen Polizeidienst ist ihr Einsatz höchst umstritten, in der Schweiz ist er daher auf Ausnahmesituationen beschränkt:

„- für Polizeieinsätze gegen schwere Gewalttäter, insbesondere Geiselnehmer, wenn sich die Verwendung aus taktischen Gründen aufdrängt und wenn sie auf die besondere Anordnung eines Polizeioffiziers erfolgt;

– für die Erfüllung von Polizeiaufgaben in lokal begrenzten Einsatzräumen, zum Beispiel in Flugzeugen und in Flughafengebäuden, in denen die Verwendung von Vollmantelgeschossen mit unverhältnismässig hohen Gefahren für unbeteiligte Dritte verbunden wäre;

– für den Nahschutz gefährdeter Personen.“

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